Montag, 10. Januar 2011

Phänomen Damen-WC

Leute, ich bin es leid! Folgende Situation: Es ist kurz nach Mitternacht, ich befinde mich gerade in einem Club auf der Tanzfläche, trinke den letzten Schluck aus meinem Glas und bemerke: ich muss aufs Klo. Und zwar zeitnahe! Folgerichtig begebe ich mich mit Riesenschritten auf den Weg zum WC, öffne die Türe uuuuund: O.M.G.

Tief durchatmend reihe ich mich in die Warteschlange an und warte. Ja, warte. Und warte. Nach 2min erbarmt sich die Insassin des ersten WCs und öffnet die Türe. Heraus kommt eine stark geschminkte junge Dame, die eifrig in ihrer Handtasche kramt. Innerlich frage ich mich, was man bitteschön am Weg vom Klo zum Händewaschen suchen kann, aber egal. Als mir auffällt, dass noch 5 Damen vor mir sind, stelle ich nun ernsthaft in Frage, noch am selben Kalendertag meine Notdurft verrichten zu können. Ich ziehe den Bauch ein, um das Schlimmste zu verhindern. Leise summend versuche ich das Geräusch des fließenden Wassers im Waschbecken zu ignorieren. Lalalaaaaa, bitte tuuut’s weiter. Endlich! Das nächste WC geht auf: heraus kommen 2 Damen gleichzeitig, freudig kichernd. War scheinbar recht lustig, der anderen beim Pinkeln zuzuschauen. Doch viel besser: es gehen auch gleich wieder 2 gemeinsam rein! Liegt scheinbar am WC. Um meinen bis ins Unermessliche gehenden Urinierdrang noch irgendwie zurückhalten zu können verfolge ich ihr Schminkritual beim Spiegel und ihre intellektuelle Konversation, aus der ich leider Gottes nur Wortfetzen wie „na oida, ur oag, herst, was isn das für ein … “ entnehmen kann. Nach 4 neuen Schichten Wimperntusche meiner Warteschlangen-Nachfolgerin, 5 Stoßgebeten meinerseits und schier endlosem Herumzappeln geschieht das Wunder: Ich bin dran!!

Erleichtert verlasse ich Sekunden (!!!) später das WC, ein Mädl ruft mir noch ein zartes: „Boah, oida, ur schnell, oida!“ nach, dann verschwindet auch sie in dem scheinbar unendliche Unterhaltungsmöglichkeiten bietenden WC. Verwundert denke ich darüber nach, wieso mir der besondere Reiz des stillen Örtchens bis jetzt verwehrt blieb und begebe mich zum Händewaschen. Ich möchte niemanden schockieren, doch auch hier muss man warten und darf nur hoffen, dass die Lipgloss-Lady links und ihre beiden telefonierenden Best Friends rechts vielleicht mal das Waschbecken freigeben… Auf die Problematik, dass es nur in Ausnahmefällen die Kombination funktionierender Wasserhahn UND Seife UND Papiertücher gibt, will ich jetzt gar nicht eingehen. Noch viel weniger darauf, dass mich automatische Wasserhähne oft soo narrisch machen, wenn kein einziger winziger Tropfen Wasser heraus kommen will und man schon mit Kung-Fu-ähnlichen Bewegungen unterm Hahn alles versucht hat. Boah, darauf geh ich jetzt wirklich nicht ein.

Zum Abschluss ein paar ganz gezielt an meine Leserinnen gerichtete Fragen: Wieso gehen Frauen zu zweit INS Klo? Welche Freuden bietet das Damen-WC denn noch? Wieso blieben mir diese bis jetzt versagt? Und: WAS DAUERT DA SO LANG?????

© Eiki

Samstag, 8. Januar 2011

Menschen 2 - Hengste

Hengste… nicht nur unter Pferden eine recht gängige Zuordnung – nein nein, auch unter Menschen! Ein mittlerweile nicht ganz unbeträchtlicher Anteil der Männerwelt ordnet sich dieser Kategorie entweder sehr gerne freiwillig oder durch Verhaltensweisen gezwungenermaßen zu. Der Leser fragt sich nun vielleicht – kenne auch ich einen Hengst, wenn er in der freien Wildbahn scheinbar so häufig vorkommt? Geben Sie sich die Antwort doch einfach selbst und finden Sie heraus, welcher der folgenden Hengste auch in ihrer Umgebung herumstreunt. Die richtige Identifikation wird durch das Aufzeigen häufig getätigter Aussagen sowie optischer Erkennungsmerkmale erleichtert.


„Der Einedrahra“: Ein charmantes Lächeln, ein aufreizendes Zwinkern und DIESE AUGEN!!!! Welche Frau kann da noch widerstehen? Naja, …. viele… und zwar, weil dieser Hengst eben wirklich nur ein Einedrahra ist! Neben seinem wohlig seitengescheitelten ge-hair-and-shoulder-anti-schuppen-gedingstem feinen Haar tätigt er nämlich geistreiche Wortmeldungen wie: „Dein Kleid würde sehr gut auf meinem Schlafzimmerboden aussehen!“ oder „Du bist so schoaf! Ich hab mich g’schnittn!“. Einedrahra schrecken keinesfalls davor zurück, einem ständig lüsterne Blicke (gerne auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, während Veranstaltungen und Konferenzen sowie bei nächtlichen Barbesuchen oder im Rahmen von Geschäftsessen) zuzuwerfen. Hat man es erst mal „geschafft,“ von Ihnen als Zielobjekt auserkoren zu werden, ist es auch gar nicht mehr so leicht, diesen Sonderstatus wieder los zu werden. Beim Altersunterschied gibt es auch keine Hindernisse. Experten munkeln, Profi-Einedrahra suchen gezielt nach 2-3 Generationen jüngerem Frischfleisch. Aufpassen, Ladies, aufpassen!!!!


„Der Titan“: Ganz anders der Titan. Seine Eiweiß-gestählten Muskeln sprengen sein von Mami doppelt gebügeltes Hemd. Eine fleißige Arbeitsbiene ist er und auch in der Freizeit zählen Disziplin und Fitnesscenter. Als wohlerzogener strammer Jüngling und Genießer im Stillen ist er daran gewohnt, Frauengespräche leise schmunzelnd zu belauschen und sich dann im richtigen Moment durch eine seiner Lebensweisheiten einzuschalten. Im Rahmen der ersten Kontaktaufnahme sollte man sich auch keinesfalls durch sein ärmelloses Ruderleiberl oder seine Proletenschuhe abschrecken lassen. Ebenso ist vom Vergleichen des eigenen Ohrschmuckes mit seinen Silberglitzer-Ohrsteckern allenfalls abzuraten. Bitte beachten Sie weiters, dass eine enge Umarmung aufgrund des Bizeps-Umfanges nicht möglich sein wird und kohlenhydratarme Ernährung Voraussetzung für ein tiefgründiges Gespräch ist. Aussagen wie: „Herst, ur leiwand!“ und „Na, oida, heut hab ich scho 7,3g Kohlenhydrate 'gessen!“ sind typische Erkennungsmerkmale.


„Der sinnliche Beobachter“: Wer kennt es nicht? Man (im besten Fall frau) macht irgendwas und man merkt plötzlich: man wird beobachtet! Doch Achtung – es kann sich um den „sinnlichen Beobachter“ handeln – ein verruchter Lustmolch sondergleichen. Zunächst unauffällig und bedeckt, wirft er einem nur eindringliche Seitenblicke aus dem sich nicht vom Wirtschaftsteil der Presse abwendenden Kopf mit leicht abartig verdrehten Augen zu. Doch wenn man nicht aufpasst, sitzt man schon bei ihm zuhause im Whirlpool, schlürft einen von ihm eigens zusammengebrauten Cosmopolitan und plaudert aus dem Börsekursnähkästchen während man sich sanft unter Wasser Blubberblasen zustupst. Wichtig zu beachten ist hier, dass man keinerlei Aussagen manifestieren kann – der sinnliche Beobachter beobachtet halt eben lieber. Aber geben Sie Acht, vielleicht bringt er Sie schon beim nächsten Einsteigen in die U-Bahn in seine Gewalt!


„Der Hase“: Hengste, die eigentlich Hasen sind, die gibt es auch. Hier sind mehrere Untertypen zuordenbar, denen allen eins gemeinsam ist: es fehlt an Ernsthaftigkeit.
a) Der Berührer: sucht Körperkontakt aller Art. Am liebsten am Schreibtisch bei ganz engen Gesprächen, aber durchaus auch an öffentlichen Orten, wo er versehentlich gaaanz knapp vorbeigehen muss. Opfer berichten vom Nicht-Einhalten des Komfort-Abstandes während Gesprächen und häufigem Arschgrabschen im Rahmen eines Diskobesuches. Rrrraaarrr.
b) The Nerd: Die Taktik des Nerds ist eine ganz simple: „Beeindrucke die weiblichen Menschen um dich durch deinen Intellekt und deinen Job“. Erkennbar sind Nerds an laufenden völlig überwältigenden Wortmeldungen während Konferenzen oder Lehrveranstaltungen, bei denen die eigene Meinung gepriesen wird. Und sie tragen ziemlich oft gestreifte Baumwollpullis. Achtung!
c) Der Jäger: is ein gaaaanz gaaaanz Lieber. Glauben Sie jetzt bitte nicht leichtfertig, dass er wirklich nur mit Ihnen befreundet sein will. Früher oder später wird er nämlich auch gerne für seine Nettigkeit mit dem einen oder anderen Knutschfleck belohnt! Haare stets gestriegelt, wohlerzogen und nicht nur politisch angehaucht freut er sich schon sehnsüchtig. Finger weg!
d) Der Tintenfisch: schleift und schleicht herum, schaut mal so durch die Gegend und kann prinzipiell der Kategorie „asexuell“ zugeordnet werden. Völlig ungefährlich, da Interesse nur durch Fußballsticker-Sammeln und Online-Billard erzeugt werden kann. (Kenntnisse sämtlicher Gesetztestexte seit 1929 von Vorteil).

Sehen Sie sich um Ladies – wo ist Ihr Hengst?

© Eiki

Donnerstag, 6. Januar 2011

Ein Student

Von überall man’s schreien hört:
Kennst schon sein neues Polo-Shirt?
Den Kragen lässig aufgestellt,
er ist halt nun ein Mann von Welt!

Haar ganz zurück? Oder zur Seite?
Gel und Wachs Länge mal Breite!
Sein Haar so stark, sein Scheitel hart,
mit Haargel wirkt er äußert smart!

Auch demonstriert er gern sein Geld,
ständig er sein Iphone hält.
Sein BMW ist silbermatt,
unterm Arm das Wirtschaftsblatt.

Buchhaltung liegt ihm eher nicht,
auf Arbeit ist er kaum erpicht.
Fürs Studieren hat er Zeit,
stellt doch sein Papi Geld bereit.

Im Wiederholen ist er Bester,
probiert‘s ja auch seit 12 Semester‘.
Ein großes Vorbild wie es schien
dieser Student der WU Wien...

© Eiki

Gegrüßt seist du!

Sie kann einem überall begegnen... vor der Haustür, im Büro, ja sogar beim Einkaufen, am Tennisplatz und im Aufzug erst recht. Die Rede ist von der modernen Lautverschiebung, die vor keinem Grußwort Halt macht. Im Anschluss seien nun wichtige Grußformeln beispielhaft angeführt.

„Dere“: Vom einstigen mittlerweile fast historisch klingenden „Habe die Ehre!“ abstammend, war dieser Satz zur Demonstration des Respektes und der Wertschätzung eine landläufige Grußformel. Im Laufe der Jahre wurde die Kurzform „Hawidere“ auch als Ausdruck des Bestürztseins und des Erstaunes gebraucht und hat somit stark von ihrer ursprünglichen Bedeutung verloren. Hieraus entwickelte sich rasant das neu-deutsche „Derää“ (oft in Kombination mit „oida“ und „du heisl“), von dessen Verwendung die Autorin jedoch allenfalls nur abraten kann.

„Jean“: Mit zunehmender Globalisierung und multikultureller Bevölkerung ist auch das Bedürfnis gestiegen, sich im Alltag der Fremdsprachen zu bedienen. Und wo wäre das besser als beim täglich gebrauchten „Auf Wiedersehen!“? In Wien dialektbedingt zunächst aufs weniger elegante und dennoch vor Charme nur so sprühende „Auf Wiedaschaun!“ umformuliert, ging die Entwicklung ganz klar in Richtung Internationalität. Aus „Auf Wiedaschaun!“ wurde „W-Daschaun“, daraus entwickelte sich das vor allem im Einkaufsjargon beliebte „Schaun!“ und schlussendlich, dank einiger postmoderner französischer Lautverschiebungen das frankophon angehauchte „Jean“.

„Scott“: „Scott“ ist für mich die mit Abstand (vor allem in Wien und Umgebung) am häufigsten gebrauchte Grußformel. Früher nur unter Priestern und Nonnen im Umgang, wird man heute sogar beim Dönerstand am Schwedenplatz mit einem freundlichen „Grüß Gott!“ empfangen. Aus Effizienzgründen hat aber vor Jahren eine Untergrundbewegung begonnen, diesen oberflächlich religiös wirkenden Gruß zu verkürzen und Leuten, welche nicht spontan diesem Mode-Hype folgten, mit einem abschätzigen Lächeln zu begegnen. So geschah es, dass aus einem freundlichen und lieb gemeinten „Grüß Gott!“ (alternde Spezialisten zögern den Genuss-Moment noch ein wenig heraus und sprechen sanftmütig „Grüß Sie Gott!“) zunächst ein güsgott, dann ein sgott und schließlich durch Einfluss der amerikanisierten Medien schließlich „scott“ wurde. Achten Sie doch einmal darauf, wie häufig das im angloamerikanischen Bereich sogar als Vorname benützte Wort „Scott“ denn an einem Tag so vorkommt.

Dies seien nur 3 Beispiele aus dem riesigen Haufen der sich laufend verändernden Grußformeln. Persönlich gefallen mir ja die mittlerweile Ur-Alt-Versionen am besten und man kann schon fast allein mit einem wärmenden „ja, grüß Sie Gott!“ mein Herz gewinnen. Aber das muss ja e jeder selbst entscheiden… Jean!

© Eiki