Montag, 5. Dezember 2011

Menschen 13 - Tänzer


Grundsätzlich dem Fortgehen nicht abgeneigte Personen sind oftmals zu späterer Stunde auf der Tanzfläche im Rahmen eines gediegenen Shakingers zu finden. Bedauerlicherweise kommt es allerdings hierbei häufig zu Beeinträchtigungen des Shakingers durch andere Personen, die zumindest laut eigener Meinung ebenfalls der Tätigkeit des Tanzens nachgehen. Nicht selten sind sie einer der folgenden Gruppen zuzuordnen. 

Die Schüttler: diese grundsätzlich sowohl in männlicher wie auch in weiblicher Hinsicht zahlreiche Mitglieder aufweisende Kategorie zeichnet sich durch undefinierbare tendenziell abnormale schnelle Bewegungen des gesamten Körpers aus. Bitte geben Sie vor allem in der näheren Umgebung des Schüttlers Acht, da es sonst sehr schnell zum einen oder anderen Tackle durch unmotiviertes Herumfuchteln des Schüttlers kommen kann. Sollten Sie mit einem Schüttler befreundet sein, so achten Sie außerdem bitte darauf, dass selbiger bei Ausübung seiner im weitesten Sinne dem Bereich Tanzen zuordenbaren Tätigkeit kein Getränk in Händen hält. Dieses wird nämlich nur zu gerne auf andere Personen verschütte(l)t. 

Die Rein-Pracker: Rein-Pracker hegen das dringende Bedürfnis, laufend mit den Händen den Beat mit wilden Schlägen in die Luft nachzuahmen. Auch lautes wertbefreites Mitgrölen von Text und Melodie sind hier keine Seltenheit um das Pracken noch zu unterstreichen.  Insider erkennen bei Rein-Prackern nicht nur großes Talent im Bereich Squash, für Inhaber von Tanzlokalen bietet es sich sogar gerade in der warmen Jahreszeit an, Rein-Pracker mit Fliegenpracker auszustatten (schon die Namensähnlichkeit lässt Rückschlüsse zu) um so lästiges Ungeziefer dauerhaft zu verscheuchen. Wer sich durch sinnbefreites Arm-Herumwacheln belästigt fühlt, dem lege ich einen Sauna-Besuch mit dem Rein-Pracker nahe. Hier lernt man ihre Qualitäten beim Handtuch-Schleudern im Rahmen eines Aufgusses erst so richtig zu schätzen. 

Die Taktlosen: Souverän meiden Taktlose jegliche Art von Im-Rhythmus-Bewegen. Härtefälle sprechen von Grenzerfahrungen mit Taktlosen, die sogar noch Kopfhörer-tragend zur eigenen Musik auf der Tanzfläche tanzen. Wer der Welt etwas Gutes tun möchte, informiert den Taktlosen zeitnahe, dass er nie die soeben im vorigen Lied beschriebene Dancing-Queen sein wird – egal wie unförmig er sich bewegt – und auch der oftmals in naher Zukunft vermutete lang ersehnte Aufritt in „Grease“ wohl noch auf sich warten lassen wird. 

Die Andocker: der grundsätzlich männliche Andocker verfolgt das zentrale Ziel, den Körperkontakt zu einem Weibchen mittels Andockung des Gemächtes am Hinterteil der Dame der Wahl herzustellen. Andocker führen selbst meist nur sehr eingeschränkt Bewegungen durch um den Kontakt zur Docking-Station alias Frau nicht zu verlieren. Musikunabhängig wird das Weibchen fast bewegungslos fixiert um den baldigen Aufriss zu garantieren. Ist man mit einem Andocker konfrontiert und mehrere herablassende Blicke brachten nicht den erhofften Erfolg, kann man mit einem gezielten Hintern-Hieb an die richtige Stelle zeitweilig für Ruhe sorgen. Zumindest halt solange, bis der nächste andockt. 

Die Trance-Artigen: Bewegungen von unbeschreiblicher Langsamkeit und Sanftheit sowie zumeist fortgeschrittener Alkoholkonsum sind gängige Charakteristika der Trance-Artigen.  Achtung: sind auch die Augen geschlossen und der Kopf schräg in Richtung Decke geneigt –wird’s erst richtig bedenklich. Versuchen Sie bitte nicht, den Trance-Artigen in ein Gespräch zu verwickeln, außer Sie finden Freude an einer Spucke-Besprenkelung im Rahmen der intellektuell herausfordernden Antwort. Am besten in Ruhe in der eigenen Welt verweilen lassen, schließlich verfolgt der Trance-Artige das Endziel der Selbstfindung auf der Tanzfläche. 

Und sollten Sie sich in regelmäßigen Abständen in einer Tanzschule aufhalten, so werden Ihnen auch Stampfer nicht entgangen sein, welche mit Elefantenartigen Schrittbewegungen alles Menschliche unterhalb der Kniescheibe rücksichtslos vernichten. 

In jedem Fall gilt: wer ohne Knöchelbruch, Seitenbandriss oder blaues Aug wieder heimkehren möchte, der meidet alle Kategorien. Oder gehören Sie etwa selbst zu einer? 

© Eiki

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Schleudertrauma

Vermeintlich zwar nicht als Reaktion auf meinen letzten Blogeintrag zum Thema „Bis zum Anschlag aufgedrehte Heizung in öffentlichen Verkehrsmitteln“, aber immerhin als Geste des guten Willens, preisen die Wiener Linien nun auf der Homepage die Funktion des Wunschzettels an das Christkind an. Diese Funktion ruft Kunden dazu auf, einen Brief ans Öffi-Christkind zu schreiben, in dem man Wünsche, Verbesserungsvorschläge und Anliegen mitteilen kann.
Kurz habe ich mit dem Gedanken gespielt, einfach nur einen Link zu meinen mittlerweile an Zahl kaum mehr überblickbaren Blogeinträgen zu den Wiener Linien zu schicken. Dies würde aber ein humorvolles Öffi-Christkind voraussetzen, wovon nicht zwingend ausgegangen werden kann. Nicht umsetzbar schien mir auch der tiefe Wunsch, man möge doch in der U6 statt einer Fahrscheinkontrolle eine Dodel-Kontrolle durchführen – überfüllte Züge würden hier zweifellos der Vergangenheit angehören. Man munkelt, manche Stationen könnten sogar gänzlich aus dem Fahrplan gestrichen werden.
Einen Wunsch genehmige ich mir aber doch:
Liebes Öffi-Christkind,
zu Weihnachten wünsche ich mir, dass bitte sämtliche Fahrer der Wiener Linien nicht länger das dringende Bedürfnis haben, durch abrupte Änderung der Fahrgeschwindigkeit ihre Fahrgäste durchzubeuteln.
Vielleicht siehst du das anders, liebes Christkind, aber ich halte es nicht für notwendig, vor jeder Station nochmal anzugasen um dann mit einer Vollbremsung zum Stehen zu kommen. Möglichweise handelt es sich dabei um ein lustiges Öffi-Chauffeur-Spiel, dessen Sinn mir bisher verborgen blieb, dennoch habe ich keine Lust bei der Heimfahrt von der Arbeit hin und her geschüttelt zu werden wie eine Irre und in jeder Station um Gnade zu flehen.
Zu höher frequentierten Fahrzeiten kämpfe ich dann teilweise mit dem Überleben und hoffe, meine zertretenen Zehen und meinen von Remplern aller Art von blauen Flecken übersäten Körper irgendwie ins Freie zu retten. Besonders arm sind die Personen, die leider nur eine Halte-Schlaufe ergattern konnten und dann völlig hilflos der Fahrweise ausgesetzt dahinbaumeln, Adrenalin-Kick inklusive. Hochschaubahn ist ein Schaas dagegen.
In den neuen ULF-Straßenbahnen (ULF bedeutet hier Ultra Low Floor und nicht, dass die Bim männlich ist und vermutlich aus Deutschland stammt) kommt man besonders in den ergonomisch nicht ganz nachvollziehbar geformten Steh-Bereichen zwischen den Sitzabteilen in den Genuss der Straßen-Achterbahn. Dass es nicht einmal zumindest eine Straßenbahnlinie 8 - quasi 8er-Bahn - gibt, löst bei mir nachdenkliche Verwunderung aus.
Keine Grenzen sind dem Rowdy-Tum aber bei den Busfahrern gesetzt, da diese ja auch noch lenken dürfen! Oftmals schon habe ich in Bussen imaginär an Formel 1-Rennen teilgenommen und nicht selten Platz 1 belegt. Der feierlichen Pokalübergabe, die vermutlich an der Endstation stattfindet, habe ich aber noch nie beiwohnen dürfen.
Und da wir schon beim Thema sind: lieber Fahrer des 51A! Es mag vielleicht ein Schock für dich sein, aber du musst kein Rennen gewinnen! Deine Rallye-Begabung ist mir und vermutlich auch den meisten anderen Fahrgästen nicht verborgen geblieben, dennoch würde ich dich bitten, mich nicht in jeder Kurve zum Unterdrücken meines Würgreizes zu zwingen. Wenn du das dringende Bedürfnis haben solltest, sämtliche Autos aus dem Rennen zu werfen um als Erster bei der Endstation anzukommen, wünsch dir bitte zu Weihnachten irgendein Formel 1-Spiel. Die Einzigen, die während deiner Fahrt irgendwas gewinnen sind deine Fahrgäste. Und zwar die Erkenntnis, dass wenn das Öffi-Christkind da nicht helfen kann, man die Route gleich zum Zentralfriedhof verlängern sollte.
© Eiki

Freitag, 25. November 2011

Sahara

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich nicht erinnern kann, wann ich das letzte Mal so viel geschwitzt hab wie in den letzten Tagen. Um spontanen Schlussfolgerungen vorzubeugen: nein, ich bin nicht völlig daneben. Ich benutze einfach nur regelmäßig die Wiener Linien.

Und diese scheinen es sich offensichtlich in den vergangenen Wochen zur Aufgabe gemacht zu haben, einige Züge auf Temperaturen aufzuheizen, die man sonst nur in Tropengebieten findet – bisher allerdings ohne erlösenden Regenschauer. Teilweise sind die Verkehrsmittel so warm, dass man sich schon beim Betreten in einer Kurzschlussreaktion alle Kleider vom Leib reißen möchte. Ob dies ein fragwürdiger Versuch ist, die Fahrt durch eine Peepshow unterhaltsamer zu gestalten oder mehr nudistische Fahrgäste anzulocken, ist noch nicht geklärt.

So sind Temperaturunterschiede von 30°C in der Straßenbahn keine Seltenheit und wer in den besonderen Genuss kommt auf einem Sitz über der Heizung Platz nehmen zu dürfen, kann sich spätestens nach zwei Stationen vorstellen, wie sich ein Grillhendl am Rost fühlen muss. Mit akrobatischen Höchstleistungen versucht man dann nämlich zumeist, den Hintern irgendwie seitlicher zu halten um nicht direkt angekokelt zu werden. Meist erfolglos.

Gut, es ist draußen kalt und man möchte einheizen – alles logisch nachvollziehbar. Aber gerade weil es kalt ist, haben die Menschen ja auch viele dicke Schichten an und wären also prinzipiell auch ohne künstlich erzeugtes Saharafeeling in der Straßenbahn überlebensfähig.

Stattdessen steht man nun jeden Tag dick angezogen in einer Herde schwitzender Menschen und im besten Fall in der Stoßzeit auch noch eingepfercht wie ein Mastschwein in der Straßenbahn und taumelt dann kurz vorm Kollaps beim Aussteigen in die Kälte. Komplett durchnässt kommt man dann in vollster Sexyness in der Arbeit an und darf sich auch an den Schweißflecken der anderen erfreuen.

Mittlerweile erkennen Profis sogar schon am Schweißfleck, wer aller öffentlich zur Arbeit gekommen ist. Damit verbundene zweifellos spaßbringende Aktivitäten wie „Wer hat die größten Schweißflecken?“ erscheinen zwar kurzfristig amüsant und reizvoll, sind aber spätestens nach dem 2. Sieg mit Frustration und Selbstzweifeln verbunden.

Ich bin jetzt schon so weit, dass ich – sollte ich ein dampfendes Straßenbahn-Würstchen daherkommen sehen – überlege, ob ich nicht lieber gleich zu Fuß gehe, um mir den Temperatur-Schock zu ersparen. Zwar ist mir bewusst, dass diese Öffi-Wechselbäder sonst nur in sündteuren Thermen zu finden sind und ich mich auch darüber freuen könnte, dass das zumindest den Kreislauf anregt, ein paar Fragen stellen sich mir aber schon:

-       hat man es wirklich notwendig, in normalen Straßenbahnwagons Temperaturunterschiede von 30°C zur Außenwelt zu erzeugen?
-       gibt es in Wien irgendeine Person, die glücklich über einen brennheißen Sitzplatz ist, den man dann fluchtartig verlässt um Verbrennungen 2. Grades zu vermeiden?
-       gibt es wirklich so viele Wappler, die sich zu wenig anziehen und die man dann in Öffis mit derartigen Temperaturen retten muss?
-       und vor allem: wollen wir Leute, die es nicht schaffen, sich temperaturgemäß zu kleiden, tatsächlich fördern?

Mehrere Tage erlebe ich nun schon verständnislose Blicke und Kommentare vieler Leute zu den Temperaturen. Wie lang es wohl dauern wird, bis die Wiener Linien auf die im wahrsten Sinn des Wortes aufgeheizten Gemüter reagieren?

Man darf gespannt bleiben.

© Eiki

Sonntag, 20. November 2011

Frag Eiki! 4

Nach längerem Besuch der Fachhochschule scheint die Beantwortung dieser Frage einer Leserin schwer überfällig.

Leserin Iris G. hat folgendes Anliegen:

„Liebe Eiki! Ich absolviere derzeit wie du selbst ein Masterstudium an der FH Wien. In fast jedem einzelnen Fach werden wir mit einer Gruppenarbeit überhäuft und müssen ständig alles in Teams machen. Mittlerweile sehe ich meine eigenständige Entscheidungskompetenz schon in banalen Einkaufssituationen gefährdet. Wie soll das nur weitergehen?“ 

Liebe Iris,

ich bin dir sehr dankbar für deine Frage, da auch ich mich mit ähnlichen Problemen konfrontiert sehe. Auf der FH Wien scheint man frei nach dem Motto „Eigenständig war gestern!“ beinahe jede nur erdenkliche Art von Leistungsüberprüfung im Team absolvieren zu müssen. Mit Spannung erwarte ich nun bereits die sicherlich gemeinsame Diplomprüfung und hoffe auch bei der Sponsion dann in der Gruppe unter einem riesigen schwarzen Sponsions-Hut gedrängt einen Gruppentitel zu bekommen.

Mittlerweile bin ich in derart vielen unterschiedlichen Gruppen, dass ich spontan nicht einmal mehr die Namen meiner Gruppenmitglieder unterstützungsfrei benennen könnte. Zwar komme ich zumeist in den Genuss in den Gruppenarbeiten mit intelligenten und liebenswürdigen Menschen zusammenarbeiten zu dürfen, bei jeder neuen Gruppenbildung läuten bei mir aber dennoch die Glocken zum Heislbärenalarm. 

Dieser Alarm gibt bekannt, dass in naher Zukunft die Möglichkeit bestünde, in eine enge Zusammenarbeit mit einer oder gar mehreren Personen zu geraten, die der Sorte „Heislbär“ zuzuordnen sind. Gruppen-Heislbären können wiederrum in unterschiedliche Kategorien unterteilt werden, in der Folge liste ich dir jeweils eine kleine Hilfestellung auf, um möglichst professionell mit selbigen umzugehen.

a)    TEAM-Heislbär: Der Toll-Ein-Anderer-Machts-Heislbär (kurz TEAM-Heislbär) verfolgt die Devise sich selbst in den Hintergrund zu rücken, zweifellos mit dem gnädigen Hintergrund anderen bei ihrer Ausarbeitung nicht im Weg zu stehen. Als Strafe geeignet erscheint in diesem Fall die Zuweisung eines – Verzeihe mir! – gschissenen Teilbereiches, der viel Arbeit erfordert, gepaart mit einem freundlichen Lächeln und überlegenen Zwinkern.

b)    Zicken-Heislbär: Diese Kategorie von Heislbär versucht durch untergriffige Frechheiten und gekonnte Kommentare jegliche Art von Zusammenarbeit zu vermühsamen und Streit in die Gruppe zu bringen. Am besten vereinbart man hier die Gruppenmeetings, wenn der Zicken-Heislbär nicht kann oder verlagert die Kommunikation auf Emails oder Internetforen. Härtefälle bringen auch hier ihren Missmut rüber, zumindest kann dieser aber dann ausgedruckt und verbrannt werden.

c)    Lasst-uns-drüber-reden-Heislbär: Die letzte Heislbärkategorie zeichnet sich des Öfteren durch ständige Meinungsäußerung aus, wodurch sogar bei Punkten wie der Auswahl einer geeigneten Schriftart mehrtägige Diskussionen die Folge sind. Dankenswerterweise machen diese Heislbären aber zumindest ihre Arbeit. Am besten vermeidet man daher das gemeinsame Bearbeiten der Aufgabenstellung und teilt von Beginn an alles so haarklein auf, dass es keine Diskussionen mehr geben kann. Hat man alles versucht, sieht sich aber immer noch mit Fragen über die Auswahl eines geeigneten Kugelschreibers für die Verschriftlichung konfrontiert, so kann man im Zweifelsfall auch selbst zum TEAM-Heislbär werden. Unschön aber manchmal notwendig.

Iris, ich wünsche dir gute Nerven für dein weiteres Studium, einen 48h-Tag um alle Gruppenmeetings irgendwie unterzubringen sowie die Kompetenz beim nächsten Großeinkauf die Wahl zwischen Granny Smith und Golden Delicious suizidgefährdungsfrei und vor allem ohne fremde Hilfe zu überstehen.

Beste Grüße

© Eiki

Dienstag, 15. November 2011

Geschickt angestellt

Wir alle kennen es uns mit einem mehr oder weniger gefüllten Wagerl der Kassa zu nähern und mulmig nach der kürzesten Schlange Ausschau zu halten. STOPP! Wer die Warteschlange nur nach der Länge auswählt, braucht sich nicht zu wundern, dass es überall anders viel schneller geht. Das geschulte Auge wählt die Warteschlange nämlich nicht nach Länge sondern nach Qualität aus.

Um die qualitativ hochwertigste Schlange zu wählen, platzieren Sie Ihr Wagerl an einem gut strukturierten Übersichtspunkt, von dem aus Sie sich einen Überblick über alle Warteschlangen verschaffen können. Es gilt drei Sorten von Menschen zu vermeiden. 

Erster Schritt ist die meist recht einfache Identifikation von Dodeln. Befindet sich in einer Schlange mehr als eine Person, bei der man sich spontan die Frage stellt, wieso diese überhaupt alleine auf die Straße gehen geschweige denn ohne Sachwalter einen Supermarkt betreten darf, so ist diese Schlange allenfalls zu meiden. Dümmliches Grinsen, mehrere Zahnlücken und zerzauste fettige Haare können für Anfänger als erste Orientierungspunkte dienen.

Die überschlagsmäßige Berechnung des Altersdurchschnitts der Warteschlangen ist der nächste Schritt. So gilt es beispielsweise ältere Personen, die ihr Minibörserl schon hervorgekramt haben, zittrig statt der Kundenkarte die E-Card hergeben und dann die Kassiererin nach erfolglosem Münzkramen, die 14,63€ in Kupfermünzerln selbst raussuchen lassen, nach Möglichkeit zu vermeiden. 

Sollten Sie in der Mittagspause nur rasch ein Weckerl einkaufen wollen, so wundern Sie sich bitte nicht über den hohen Altersschnitt. Dass es tatsächlich alte Leute gibt, die obwohl sie prinzipiell den ganzen Tag Zeit hätten genau in der Mittagspause von arbeitenden Menschen einkaufen gehen müssen und dann mit einem Chappi-gefüllten Wagerl hinkend ihren Großeinkauf mit der Seelenruhe des Dalai Lama aufs Förderband hieven, ist nicht nur unverständlich, es setzt auch einen gewissen Grad an Freude am Leid anderer Menschen voraus.

Im letzten Schritt bitte ich Sie, die Wagerl auf Ordnung zu begutachten. Menschen, die in ihrem Wagerl die Waren nach Produktgruppen, Größe oder sogar Preis penibelst geordnet haben, sind seltsam und zu umgehen. Nicht selten hegen sie nämlich das unverständliche Bedürfnis, auch am Förderband selbige Ordnung mit großem Zeitaufwand herzustellen um sich dann ganze 30sek daran erfreuen zu können. So kam ich erst vor ein paar Tagen aufgrund des unbedachten Anstellens in den Genuss einer Dame zuzusehen, die ihre Joghurts im Wagerl sogar nach Farbe sortiert hatte. Sie überlegte geschlagene 20sek, ob sie die Schokoschirmchen in diamantweiß oder doch polarsilber zuerst am Förderband anordnen sollte. Beim ebenso zeitaufwändigen sortengerechten Wiedereinordnen ins Wagerl rechnete ich schließlich mit einem mehrtägigen Aufenthalt an der Kassa und begann bereits leere Obstschachteln als Übernachtungsmöglichkeit auszuwählen.

Das simple Geheimnis ist also:
Niedriger Altersschnitt
+ wenig Dodeln (keine Dodeln ist gerade in Österreich schier unmöglich)
+ keine Menschen mit Ordnungs-, Farb-, Zug- oder sonstigen Zwängen
= schnelle Kassa.

Angesichts der Tatsachen, dass die Bevölkerung zunehmend älter wird und auch die Zahl der Dodeln mit jedem Tag rasant zuzunehmen scheint, ist eine zeitnahe Vorbereitung notwendig. Beginnen Sie am besten schon bei Ihrem nächsten Einkauf mit dem Training. 

Sie werden es brauchen.

© Eiki