Donnerstag, 15. September 2011

Menschen 11 - Leser


Auf mehr als gerechtfertigten Anstoß eines Freundes wende ich mich heute Lesern ausgewählter Tageszeitungen Österreichs zu. In der Folge die Zeitungsleser meines näheren Umfeldes - vorab sei betont, dass freilich nicht alle Leser dem entsprechen. Gewisse Tendenzen sind allerdings nicht zu leugnen.  

Die Kronen-Zeitung-„Leser“: Schon der Name der Zeitung verdeutlicht den Fokus auf die gute alte Zeit und die Wertschätzung des Kaisertums. Käufer (bzw. am Sonntag Fladeranten) der aus mir bisher unerfindlichen Gründen die meisten Leser aufweisenden Tageszeitung Österreichs sind Genießer der kurzen einfachen Sätze und vieler Bilder. Oder von Gedichten, die selbst ein Vorschulkind besser reimen könnte. Politische Themen werden größtenteils mit einem Inserat der Freiheitlichen Partei unterstrichen, zusätzlich mangelt es nicht an Anzeigen für jeden Fetisch dieser Welt. Leser der Kronen-Zeitung beschäftigen sich am liebsten mit Themen wie Straftaten (am besten, wenn der Täter kein Österreicher war), Fehlern von Politikern, Skandalen sowie neuen Geburten im Tiergarten Schönbrunn. Jetzt hätte ich fast die Nackerte vergessen! 

Die Heute-Leser: DIE Gratiszeitung schlechthin und vom Schulkind bis zum Topmanager ein besonders in öffentlichen Verkehrsmitteln gern gelesenes Blatt. Bewegende Schlagzeilen wie  „Lauda trägt wieder rote Kappe“ oder „Mann auf Bananenschale ausgerutscht“ lassen zwar gewisse Zweifel an der Tiefsinnigkeit der Recherchen aufkommen, diese werden aber durch das Farbsudoku allenfalls wieder aufgehoben. Insider vermuten, dass einige Menschen mittlerweile ohne vorheriges Absolvieren des Heute-Sudokus nicht mehr konzentriert arbeiten können. Dankenswerterweise wird man durch das Horoskop außerdem perfekt auf den Tag vorbereitet. Am Sonntag schaut man allerdings diesbezüglich durch die Finger und muss hoffen, den Tag irgendwie ohne Hilfe über die Bühne zu bringen.

Das Publikum der Presse: Intellektuell vom Feinsten oder zumindest gern so wirkend, schlägt der gemeine Presse-Leser die Zeitung elegant auf, um sich der Entwicklung des Ölpreises oder einer hitzigen Debatte des Europäischen Gerichtshofs zu widmen. Den Aktenkoffer lässig am Boden platziert, wird das Lesen der langen, eloquent formulierten Artikel nur durch Sippen am Coffee-to-go oder ein Telefonat via Headset unterbrochen. 

Die Standard-Leser: Liebhaber von hautfarbenen Zeitungen lehnen sich bequem an ihr Fahrrad und beißen genüsslich in ihr Bio-Tofu-Kresse-Leinsamen-Weckerl, während sie auf den Beginn eines Theaterstückes im Volkstheater warten. Sie sind weltoffen, öfters mal Vegetarier, für die Integration und diskutieren gerne Länge mal Breite. Bevor sie schlafen gehen, kommt der Standard dann noch brav in den Papiermüll, der neben 6 anderen Müllkübeln (Bio, Metall, Plastikflaschen, Batterien, Gefahrenstoffe, normal) angeordnet ist.

Die Kurier-Liebhaber:  Kurier-Leser möchten sich von erstgenannten Lesern gerne abgrenzen, sind aber vielen Bildern und Tierbabies ebenso wenig abgeneigt. Skandal, Mord und Totschlag sowie packende Themen aus der Umgebung sind auch hier willkommenes Lesefutter. Ich persönlich kenne nur Kurier-Leser über 50. Ob man hier von einer generellen Neigung sprechen kann, wage ich nicht zu beurteilen. Erst wenn es ein T-Shirt zu kaufen gibt mit „haben Sie noch Sex oder lesen Sie schon Kurier?“, sehe ich meine Beobachtungen als bestätigt an.

Und? Jemand wiedererkannt?

© Eiki

Sonntag, 11. September 2011

Es könnt alles so einfach sein


…. ist es aber nicht. Diese für mich mittlerweile nicht mehr schockierende Tatsache scheint gerade in Wien für viele Menschen zum Leitmotto geworden zu sein. So wird beispielsweise in meinem Fitnesscenter alles daran gesetzt, die Verlängerung des Ausweises so komplex wie möglich zu gestalten. Aber sehen Sie selbst.

Nach längerer Verletzungspause näherte ich mich selbstbewussten Schrittes dem Fitnesscenter, die uralt Ausweis-Chipkarte, die ich schon seit Jahren besaß und der man ihr Alter schon ansah, in der Hand. Angekommen beim Empfang traf ich auf drei Ladies, die mir alle mit großen interessierten Äuglein zuhörten, als ich um Kartenverlängerung und Ausstellung einer neuen Karte bat, da die alte schon in Einzelteile zu zerfallen schien.

Ich blickte in fragende Gesichter und konnte erst nach Wiederholung meines Anliegens eine angeregte Diskussion zwischen ihnen auslösen. Thema: dürfen wir einen neuen Ausweis ausstellen?. Fazit der Diskussion: Dürfen wir nicht.

Auf meine Frage, warum dies nicht möglich sei, bekam ich die hübsch formulierte Antwort: „Ihr Ausweis is ned hinig“. Geistesgegenwärtig schlug ich vor, den Ausweis nun komplett zu ruinieren (nur eine unmerkliche Veränderung der Karte) um dann eine neue Karte bekommen zu können, da dies offensichtlich das Hindernis zu sein schien. Wieder diskutierte man heftig und teilte mir schließlich mit, dass meine Idee nicht durchführbar war, da sie ja jetzt schon wüssten, dass der Ausweis zuerst nicht kaputt war. Mir des Zeitverlustes durch eine weitere Diskussion der Ladies durchaus bewusst seiend stellte ich dennoch die Frage, warum sie nicht einfach so tun könnten, als wäre die Karte schon bei meinem Eintreffen kaputt gewesen. Eine Diskussion später wurde ich auf meinen nächsten Besuch im Fitnesscenter vertröstet, wo ich andere Personen am Empfang dazu befragen sollte. Sie selbst fühlten sich außer Stande, das Problem zu lösen.

Betont ruhig sprechend um die aufsteigende Frustration zu unterdrücken, bat ich noch um Feststellung, ob ich noch Geld am Chip auf der Karte oben hätte, um mir wenigstens dieses Prozedere beim nächsten Besuch zu ersparen. Eine der Frauen sprach zur anderen: „Jacqui, schau mal am Chip, ob noch was oben is.“. Dies veranlasste Jacqui die Karte zu nehmen und den Chip eingehend zu betrachten. Nach zehn Sekunden wurde es auch der anderen Lady zu blöd und sie entriss Jacqui die Karte um über das Kartenlesegerät am Computer den Geldstand am Chip zu prüfen. Jacqui war erstaunt. 

Unfasslich.

© Eiki

Sonntag, 4. September 2011

Frag Eiki! 2

Brisanten Sorgen meiner Leser möchte ich mich freilich sofort zuwenden und daher die gerade eben verzweifelt an mich herangetragene Frage in der Folge gleich behandeln.
Leserin Birgit T. hat folgendes Anliegen:

„Liebe Eiki! Frisch aus dem Urlaub zurück fällt mir immer am stärksten auf, wie viele unfreundliche Heislbären es in Österreich eigentlich gibt. Meine Frage: Wie habe ich mich zu verhalten?“ 

Liebe Birgit,

die Tatsache, dass Untragbarkeiten aus Österreich besonders nach der Rückkehr von Urlauben oder längeren Auslandsaufenthalten erkennbar werden, ist ein gängiges Phänomen. Insbesondere dann, wenn man in einem freundlichen weltoffenen Land war und höflich und zuvorkommend behandelt wurde, ist der Unterschied zur Heimat sogar für sonst ignorante Personen unverkennbar. 

Der große Vorteil an der vereinfachten Identifikation von Heislbären in Österreich ist allerdings nicht, dass man selbigen so leichter aus dem Weg gehen kann. Der gutmütige Mensch neigt nämlich zu naiver Toleranz von Unfreundlichkeiten. Am besten ist daher das zeitnahe Einleben in den österreichischen Umgangston.

Um schmerzvolle Erfahrungen in der Umgewöhnungsphase nach dem Urlaub zu umgehen seien in der Folge daher kurz einige Verhaltenstipps aufgelistet, mit denen man zweifellos rasch wieder wie ein Österreicher wirkt. 

-       Erwarte nicht, dass du ebenso freundlich zurückgegrüßt wirst, wie du gerade gegrüßt hast. Nicht selten wirst du gar nicht gegrüßt. Grüß also einfach auch nicht mehr. 

-       Ein nettes Lächeln ist allenfalls unangebracht. Um die sofortige Einlieferung in eine psychiatrische Anstalt zu vermeiden, sollten Frohmut und Heiterkeit in der Öffentlichkeit nicht präsentiert werden. Am besten alles Schöne im Leben mit einer Grantscherm-Mimik verbergen. 

-       Höfliche Gesten wie „Platz in der Bim anbieten“ oder „Bei der Kassa vorgelassen werden“ am besten sofort mit einem genervten Kopfschütteln und grantigem Kommentar abwimmeln. Geheimtipp: „früher war alles besser“ in den Satz einbauen.

-       Generell sollte man möglichst oft Unverständnis für andere Menschen zeigen. So ist es beispielsweise Pflicht, am Zebrastreifen die Straße überquerende Menschen anzuhupen. Weiters bietet es sich an, Menschen, die im Supermarkt kurz Stehenbleiben um Dinge aus Regalen zu nehmen, mit unsanften Rücken-Tackle mit einem Einkaufswagerl zu bestrafen. In jedem Fall sollten aber Leute nicht aus öffentlichen Verkehrsmitteln aussteigen gelassen werden, bevor man selbst einsteigt. Ein Schulterstoß hat noch niemandem geschadet.

-       Die Frage: „Wie geht’s“ ist mit „Eh gschissn“ zu beantworten.

-       Last but not least: aufregen wo‘s nur geht und ich verspreche, du wirst dich fühlen, als wärst du nie weg gewesen

Willkommen zurück im Land der Glückseligkeit!

Beste Grüße

© Eiki

Samstag, 27. August 2011

Wienerisch für Anfänger VI


Auch im Sommer möchte ich meine wissbegierigen Schüler keinesfalls vernachlässigen oder auf die Weiterbildung im Wienerischen verzichten. Heute widmen wir uns wieder drei sowohl bei Sympathie wie auch Höflichkeit stark ausgeprägten Äußerungen, die im Alltag unerlässlich sind.


Moch da ned ins Hemd:
Diese zumeist nur eingeschränkt freundlich gemeinte Aussage, ist auch für Wienerisch-Anfänger durch Übersetzung ins Hochdeutsche relativ leicht verständlich. Trotzdem soll sie hier aufgrund der tieferen Bedeutung genauer erläutert werden. Die Aufforderung, sich nicht ins Hemd zu machen, kann grundsätzlich auch von einem selbst als wünschenswert erachtet werden. Der wortgewandte Wiener möchte Sie aber damit nicht nur darauf hinweisen, dass das Urnieren in Kleidungsstücke unterlassen werden soll, sondern stellt gekonnt ihr Ego in Frage. Mit einem gut platzierten „geh, moch da ned ins Hemd“ oder alternativ „scheiß di ned o“ wurden nämlich schon einige Menschen dazu gebracht, Dinge zu tun, die sie nicht vor hatten. Hier ist allenfalls Vorsicht geboten.


Hob i scho gfressn:
Oberflächlich könnte man hier eine völlig harmlose Aussage vermuten, insbesondere bei der hochdeutschen Übersetzung „habe ich schon gefressen“. Glauben Sie aber ja nicht, ein Wiener möchte Ihnen mitteilen, dass er schon gespeist habe! Mit „hob i scho gfressen“ soll nämlich einmal mehr Unmut zum Ausdruck gebracht werden. Wenn ein Wiener zu einem gewissen Thema „scho gfressn hod“ dann regt ihn selbiges stark auf. Als empfehlenswerte Verhaltensweise hat sich herauskristallisiert, das Gesprächsthema zu wechseln. Im Falle der Unmöglichkeit ist dem Wiener sofort beizupflichten um eine Wendung der Aggression auf einen selbst zu vermeiden. 


Derrisch in da Bappn:
Zugegebenermaßen war auch mir diese Äußerung zuvor nicht geläufig, aufgrund ihres Charmes, sah ich mich aber verpflichtet diesen Tipp eines Lesers aber jedenfalls in den Wienerisch-Kurs aufzunehmen. „Derrisch in da Bappn“ weist zahlreiche Wortumwandlungen auf und entspricht dem Hochdeutschen „taub im Mund“. Der naive Leser ordnet dieser Aussage nun eventuell einfach ein Taubheitsgefühl im Mundbereich zu, womit er daneben liegt. In Wahrheit handelt es sich dabei um die Beschreibung, dass jemand keinen Geschmack hat. So wären Anti-Schnitzel-Esser für Wiener beispielsweise „ur derrisch in da Bappn“. Dankenswerterweise kann auch diese Äußerung breit angewandt werden und damit jeglicher Fehltritt (sei es beim Essen, der Kleidung oder sonst wo) geächtet werden. Besonders beliebt ist es auch, Menschen, die keinen Alkohol mögen – für den gemeinen Wiener völlig unfasslich – als „bappnderrisch“ zu bezeichnen. Höflich vom Feinsten.


Sie sehen, auch ich lerne in diesem Kurs laufend dazu. Und wenn auch Sie eine interessante wienerische Äußerung haben, die der Menschheit, ja, zumindest aber diesem Leserkreis, nicht vorenthalten werden sollte, so bitte ich um Zusendung auf eiki@unfasslich.at. Weil ganz ehrlich, dass ich mir immer alles selbst ausdenken muss, da hob i scho gfressn.


© Eiki

Sonntag, 21. August 2011

Bitte lächeln!


Ich finde, Fotos sind etwas Schönes und es ist gut, Momente festzuhalten. Aber es gibt Grenzen. 

Die Strapazen des Fotografiert-Werdens kennen wir ja. 08/15-Grinser aufgesetzt, das Beste hoffen, Kamera geht nicht, Gesicht schläft ein, Haltung schmerzt und wenn‘s dann blitzt sind genau die Augen zu. Unangenehm, aber was willst machen. 

Viel schlimmer finde ich aber, was einige Menschen in ihrer Freizeit und im Urlaub betreiben. Der Sonnenuntergang wird so oft abgelichtet, dass man bereits ein ansprechendes Daumenkino zu Stande bringen würde. Zur Sicherheit wird das gerade am Auto vorbeigelaufene Eichhörnchen 17x fotografiert, so besondere und seltene Tiere sind das aber sicherlich wert. Jedes Essen im Restaurant wird festgehalten und wie zuletzt beobachtet, ist auch das fehlende Klopapier am Raststations-WC einen Schnappschuss wert.

Fotografieren ist mittlerweile eine mit Urlauben fast unumgänglich verbundene Tätigkeit – und das nicht nur unter Japanern. So verbringt man wertvolle Urlaubsstunden damit, den Moment möglichst real abzubilden, damit man dann zuhause allen – egal ob es sie interessiert – zeigen kann, wie toll es nicht war. Die Grenze zum Wahnsinn verschwimmt oftmals. Da ich aber Großteils ein Vertreter der „jeder, wie er glaubt“-Auffassung bin, schienen mir Menschen, die alles ständig fotografieren müssen, als erträglich und eigentlich e arm. Aber nun wird es mir langsam zu viel.

Bei immer mehr Sehenswürdigkeiten kommt man als Tourist nun zum Handkuss und muss, bevor man rein steigt / rauf geht / mit fährt, etc. ein Foto machen. Selbiges kann man dann beim Verlassen um umgerechnet ca. 20€ erstehen. So wurde ich gestern beim Betreten einer Seilbahn zwangsbeglückt und um meinen Standard-Grinser gebeten. Hätte ich das Foto gekauft, könnte ich mich jetzt immer daran erinnern, dass ich beim Einsteigen in die Seilbahn kurz beim Blitzen die Augen zu hatte. Schade. 

Zuletzt wurde ich in einer Achterbahn gemeinsam mit meinen Mitfahrern beim Start fotografiert. Dass die Bahn mit 100km/h wegfuhr und sich daher bei allen Gästen Haare, Kleidung, Gesichtshaut und Lider nach hinten verschoben und man am Foto durchaus Ähnlichkeit mit Michael Jackson (Gott habe ihn selig) aufwies, sei nur am Rande angemerkt. 

Auch beim abendlichen Ausgehen ist es mittlerweile Gang und Gebe ständig gefragt zu werden, ob man ein Foto will. Aber sind wir uns doch ehrlich: wenn ein Abend schön war, erinnern wir uns gerne daran. Wenn wir uns aber – warum auch immer – nicht mehr soo gut daran erinnern können, dann sind wir doch hin und wieder gar nicht so unglücklich, wenn es ein Foto auch nicht tut, oder? 

© Eiki

Donnerstag, 18. August 2011

Anleitung zum Nie-Wiedersehen


Wer kennt es nicht: man ist gerade mit der U-Bahn unterwegs oder spaziert irgendwo oder sitzt abends gemütlich in einem Restaurant, als man plötzlich von einer Person angesprochen wird, die man kennt. Ein alter Bekannter, seit Jahren nicht mehr gesehen. Beiden war es scheinbar wurscht, sonst hätte man ja etwas daran geändert. 


Oftmals hat man die andere Person sogar schon längst gesehen und erkannt, doch im Stillen noch gehofft, unerkannt zu bleiben. Sich hinter vorgehaltener Hand versteckend oder intensiv in die andere Richtung starrend oder sich telefonierend stellend, versucht man so Einiges, um diesem Gespräch zu entrinnen. Oft ist es aber zu spät. 


Man wurde entdeckt und es heißt: Small Talk vom Feinsten betreiben. Im schlimmsten Fall, ist der andere allerdings an einer Fortsetzung der Unterhaltung interessiert und gibt leichtsinnig Dinge wie „Geh ma doch mal auf an Kaffee!“ oder Ähnliches von sich. Während man sich selbst aber innerlich das rasche Ende der Unterhaltung herbeisehnt, passiert es. Man sagt das, was Österreicher gerne einmal sagen, um sich nie mehr wieder zu sehen: „Ruf ma uns einfach zam!“.


Mit einem gut platzierten „Ruf ma uns mal zam!“ kann nämlich oberflächlich in Perfektion vorgetäuscht werden, an einem Treffen hoch interessiert zu sein, das man eigentlich tunlichst vermeiden möchte. Weil: e schon so viel um die Ohren, mit DEM sicher nicht, was red ich denn dann mit DER?, etc…


Ist es für das Gegenüber ebenso und ein Treffen ist ohnehin von beiden Seiten her unerwünscht, dann wird man ein freudig erregtes Nicken und begeisterte Zustimmung für das „sich zusammen Rufen“ ernten. Für den seltenen Fall, dass die andere Person aber ernsthalt an einem Treffen interessiert ist und beispielsweise mit: „Na wann hast denn du mal Zeit?“ reagiert, gibt es freilich die jeglichen Kontakt vernichtende Möglichkeit „das wird sich schon ergeben“ oder die Wiener-Lösung „schau ma mal“.


Und sollte das immer noch nicht reichen, dann fügen Sie bitte einfach an: „Ich meld mich“.


© Eiki

Sonntag, 14. August 2011

Mosquito United


Dem aufmerksamen Leser ist sicherlich nicht entgangen, dass ich mich des Öfteren mit menschlichen Problembereichen beschäftige. Um einen Ausgleich zu finden, möchte ich diese Geschichte einem stark verunglimpften Tier widmen: der Gelse. 

Bei Menschen und auch den meisten Tieren nicht sehr beliebt, haben es Gelsen nicht leicht im Leben. Die Weibchen klein und durstig nach Blut. Die Männchen groß wie Weberknechte und nicht nur für zart besaitete Frauen ein Schrecken. Doch da Tierschützer ja auch oberflächlich wertbefreite Zeitgenossen wie die Gelsen schützen, versuche ich Ihnen in der Folge aufzuzeigen, warum gerade diese Tierart so besonders schützenswert ist.

Vorteil 1: Blutspenden leicht gemacht. Wer immer schon mal etwas fürs gute Karma tun wollte und vielleicht fürs Blutspenden aufgrund schlechter Blutwerte (zvü Spritzer und Tschick) nicht geeignet ist, kommt nun endlich zum Zug. Gelsen sind nämlich nicht so wählerisch wie Krankenhäuser und jeder, der Adern besitzt, wird als potentieller Blutspender auserkoren. Eine wie ich finde noble Eigenschaft.

Vorteil 2: Was würden wir ohne ansteckende Krankheiten tun?  Stechmücken machen viele Krankheitsübertragungen erst möglich und  sorgen damit für Arbeitsplätze im medizinischen Bereich, in der Krankenbett-Herstellung, bei Apotheken und Pharmakonzernen.

Vorteil 3: Sagen Sie „ade“ zu langweiligen ruhigen Nächten! Durch die Gelse durchfährt ein mehr oder weniger sanftes Surren Ihr Schlafgemach und hilft damit für abwechslungsreiche Schlafstunden und ein Dolby-Surround-Erlebnis, das immer neue Überraschungen liefert. 

Vorteil 4: Auch langatmige sommerliche Grillabende mit Freunden in der Nähe von Gewässern werden durch gemeinschaftliches Gelsen-Vernichten aufgelockert. So bietet sich auch die Möglichkeit, Leuten, denen man immer schon einmal die Meinung sagen wollte, unter dem Vorwand des Gelsen-Zerschlagens eine rein zu hauen! Nicht nur für Gewalttätige ein gefundenes Fressen. 

Vorteil 5: Weiße Wände sind Schnee von gestern. Durch gezieltes Zerkleschen von Gelsen an unterschiedlichen Bereichen der Wand kann ein farbenfroher Touch in die Wohnung gebracht werden. Nitsch muss sich demnächst warm anziehen, wenn mehr Leute diese Art der Kunst für sich entdecken. 

Vorteil 6: Gelsensprays vertuschen Schweißgeruch! Als olfaktorisches Erlebnis der Sonderklasse kann man so getrost auf Deos verzichten und seinen Partner ab jetzt mit Autan erfreuen. (Anmerkung am Rande: geht nur, wenn der Partner keine Gelse ist – außer, man will ihn e loswerden).

Für mich persönlich haben Gelsen ja noch einen weiteren Vorteil: sie übertragen Malaria. Hier in Südafrika nehme ich daher derzeit Medikamente, die präventiv wirken sollen und die angenehme Nebenerscheinung haben, dass sie für interessante Träume sorgen. Letzte Nacht erschien mir beispielsweise Miriam Weichselbraun als Lateinprofessorin.

Wer jetzt nicht von Gelsen überzeugt ist, ja, dem kann ich wirklich nicht helfen.

© Eiki

Donnerstag, 11. August 2011

Verstecken spielen


Jeder Frau ist dieses Wunder geläufig und auch Männer werden sich selbiger Tatsache immer mehr schmerzlich bewusst. Ich spreche von den unendlichen Weiten einiger Taschen, unter Experten ist vorrangig von der Damenhandtasche die Rede.

So ist es beispielsweise keine Seltenheit, dass Frauen unterschiedlichsten Alters minutenlang in der Kälte vor Haustüren verharren müssen, da ihre ungnädige Tasche ihnen das Auffinden des Schlüssels verweigert. Besonders beliebt ist dieses Verhalten von Taschen immer dann, wenn man entweder grad voll bepackt mit den Einkäufen zurückkehrt oder man aufs Klo muss sowie bei Minusgraden. Und da hilft auch kein Schlüsselanhänger!

Doch nicht nur bei Schlüsseln scheint dieses Phänomen zuzutreffen. Die Geldbörse ist direkt bei der Kassa nicht sofort auffindbar, der Knirps erst, wenn man bereits nasse Haare hat. Ja, sogar das Taschentuchpackerl, das man eben erst hinein gegeben hat, ist ab dem ersten herzhaften Niesen nicht mehr zu lokalisieren. Ganz besonders kritisch sind Sonnenbrillen, die immer erst nach Sonnenuntergang aufzutauchen scheinen sowie mit penetrantem Klingelton läutende Handys an öffentlichen Orten.

Dies gilt übrigens auch bei Rucksäcken und Reisetaschen, bei denen hinzu kommt, dass man genau das, was man zu unterst eingepackt hat, am ehesten braucht. Jeder, der wie ich längere Zeit mal aus dem Koffer gelebt hat, kann ein Liedchen davon singen.

So verbringen Frauen unzählige wertvolle Stunden ihres Lebens mit Taschenkramen. Da auch unter den weiblicher angehauchten Herren das Tragen von Taschen aus unerfindlichen Gründen beliebter wird, sehen sich selbige ebenso mit obigen Problemen konfrontiert. Taschen stellen immer mehr also frei nach dem Motto „keine Tasche ist zu klein, um nicht etwas darin zu verlieren“ quasi das Bermuda-Dreieck des kleinen Mannes (der kleinen Frau) dar.

Eins noch. Liebe Handtasche, bitte sei so lieb und gib mir den Autoschlüssel wieder. Ich muss jetzt echt los.

© Eiki

Freitag, 5. August 2011

Wo willst du hin?

Navigationsgeräte sollten uns eigentlich das Leben erleichtern. Dass sie dies oftmals nicht tun, ist ja mittlerweile eine gängige Tatsache. Der Besitz eines selbigen Gerätes rechtfertigt aber keinesfalls dümmliches Menschen-Verhalten. Ja, sollte man glauben...

Unfasslich aber wahr: es gibt tatsächlich Personen, die nach Anweisung ihres Navis die gesichterte Straße verlassen und ihr Auto in Flüsse und andere Gewässer sowie – erst kürzlich in der Wiener Innenstadt geschehen – eine Treppe hinunter fahren. Weiters steigt die Unfallgefahr drastisch an. Auch eine mir bekannte Person bog nach Navi-Kommando blauäugig links ab, obwohl eigentlich wer entgegen kam. Bedenklich und allenfalls auch etwas beängstigend.

Mir persönlich stellt sich ja die Frage, ob selbige Autobenützer ihren Führerschein in der Lotterie gewonnen haben. Zusätzlich steht die Frage, ob man sein Gehirn wirklich zwanghaft ausschalten muss, sobald das Navi auf „on“ ist, im Raum.

Ich befinde mich derzeit auf Roadtrip durch Südafrika – und glauben Sie mir, es gibt leichtere Unterfangen als hier seinen Weg zu finden. Mein Navi scheint offenbar am internationalen Navigationsgeräte-Wettbewerb teilzunehmen und kämpft um den Titel in den Kategorien „Für wieviel Verwirrung kann ich stiften?“ sowie „Meisterfundenste Straßen, die in der realen Welt nicht existieren“. Konkurrenzlos wird es weiters 100%ig Erster in der Kategorie „Eine Runde im Kreis hat noch niemandem geschadet“.

Da bei mir doch zumindest in einem geringen Maß Hausverstand vorhanden ist, konnte ich es aber bis jetzt vermeiden, rechts abzubiegen, wenn sich dort nur eine Hauswand, ein Acker oder – mein Favorit – ein 100m tiefer Bergabhang befand. Auch am lustigen Navi-Spiel „lieber Wenden und rechts abbiegen, als gleich links abbiegen“ habe ich meine Teilnahme verweigern können.

Mittlerweile feiere ich ja schon innerlich eine Party, wenn das Navi den Ort an dem ich mich befinde, grundsätzlich richtig zuordnen kann. Die Straße ist dabei gar nicht mehr so wichtig. So fahre ich nämlich – zumindest laut Navi – regelmäßig neben der Straße am Feld oder in Flüssen, statt auf der richtigen Straße.

Ich bete zu den Navigöttern, dass sie mir bald wieder hold sind. Die Methode „hoffen und der Sonne nachfahren“ ist auf Dauer nämlich etwas belastend. Ob man so manche technische Erfindung als Weiterentwicklung bezeichnen sollte, stelle ich stark in Frage...

© Eiki