Mittwoch, 27. September 2017

Öffi-Unterhaltungen 13


Di, 5. September 2017 – 6h35 

Dankenswerterweise darf man sich in der U6 auch schon frühmorgens an wichtigen Infos erfreuen.

Älterer Herr will bei Längenfeldgasse in die gerade einfahrende U6 einsteigen. Zug bleibt stehen. Er schlägt mit der Faust gegen die Tür: „Aufmooochen! HERST! MOCH DE TÜR AUF!“

Tür geht auf (ob wegen der Faustschläge oder einfach weil es üblich ist, blieb ungeklärt).

Älterer Herr (deutet auf einen Platz, wo eine junge Frau sitzt): „I wü do sitzen.“
Junge Frau: „Aber hier ist doch alles frei.“  (alles rundherum ist frei)
Älterer Herr: „Bin i da ned schön genug?“

Junge Frau dreht sich weg.

Älterer Herr: „I bin ned schee. Des was i eh. Oba ans sog i eich: Es lebe die Unsterblichkeit!“

Bei der Station Westbahnhof entdeckt der Herr ein Werbeschild mit einer Seegrotte.

Älterer Herr (dreht sich zu Eiki): „Durt’n san letztens a poor Piffge dasoffen.“

Eiki versucht so uninteressiert wie möglich zu schauen.

Älterer Herr: „JO ! Wirkli wohr, du glaubst mas ned, oba de Piffge san gekentert! Des gonze Schiffanakel hot’s umghaut und – des muasst da vorstelln: de Trotteln kennan jo ned schwimman! Aber…“ (kurze dramatische Pause für einen dezenten Rülpser) „Deitsche kennan sowieso nie schwimman, weil’s sunst nie miassn. In Deitschlond gibt’s jo nix zum Schwimman. Oba i find’s ehrlich gsogt eh ned schod um die. A poor Piffge weniger. Soi nix Schlimmas passieren.“

Mehrere Personen blicken verstört von ihrer Heute-Zeitung auf. 

Älterer Herr: „Des Anzige, wos mi stört an der gonzen Gschicht, doss de Deitschen dasoffen san, is, doss uns Östarreichan de Schuid gebn. I mein, wos konn i dafir, doss de Orschlecha ned schwimman kennan? Blad fressen. Des kennan’s, oba wonn‘s donn des Schiffanakel umhaut, donn gengan’s unter wie a Felsen.“

Bei Dresdner Straße muss der Herr aussteigen. Aber gewiss nicht ohne sich noch gebührend zu verabschieden.

„I sog eich ans. I bin ned schee. Oba solang i scheena bin ois wir a Piffge, is ma ois wurscht. Schenan Tog.“

© Eiki

Donnerstag, 21. September 2017

I am the Search

Serge (ca. 45, Halbglatze, Träger einer Gratisbrille Marke „Bundesheer 1990“, schwarzes Shirt mit „ollas muass ma selber mochn lossn“ Aufschrift) setzt sich in der U6 auf einen freien Sitzplatz und nützt selbstverständlich gerne die Gelegenheit, mit der Sitznachbarin gegenüber ein Gespräch zu beginnen. 

Serge: „Waßt du wia ma a Bier öffnet? I erklär da des …“
Junge Dame (J.D.): „Pardon?“
Serge: „Drei Schritte zum Bieröffnen. Du wissen?“
J.D. (mit starkem französischem Akzent): „I don’täää speakäää schörman.“
Serge (sofort in seinem Element): „Where you coming?“
J.D. (merklich unsicher, ob sie dieses Gespräch jetzt wirklich will): „France.“
Serge (in die U6 Runde, damit auch alle anderen etwas davon haben): „A Französin, na bitte, schauts eich des on!“ (zur Französin) „So, you von France (sprich „Frääänz“) … Ha de Orschlecha!“
J.D.: „Excuusee me. I don’täää önderständ.“
Serge: „I bin da Serge (sprich: Särsch). I am the Search.“
J.D. schaut beim Fenster raus.
Serge (gibt noch nicht auf): „Enchanté!“ (Anm. Eiki ist kurz beeindruckt, dass er dieses Wort kennt). „I am sitting. You know?“
J.D.: „Pardon?“ 

Serge: „Sorry, des wor a Bledsinn.“ (schaut beim Fenster raus und erkennt, dass er demnächst aussteigen muss) „Also. Bonjour, Mademoiselle. Tschau mit au, tschüß mit ü. Moch’s guad schen Frau. Hasta la vista Baby. I bin dahin!“ (dreht sich im Gehen zur Tür nochmal um) „See you later Terminator sog i imma. Geile Sau der Schworzenegger. Des muass ma erm lossen.“ 

© Eiki